Was für ein Pokalfight zwischen dem SV Eintracht Wiederitzsch und dem SV Panitzsch/Borsdorf: Gegen einen auf dem Papier eigentlich schwächeren, jedoch kämpferisch entschlosseneren Gegner aus Wiederitzsch, brauchten Wittis wilde PaBo-Kicker erst eine gelb-rote Karte gegen sich, um auf die Siegerstraße zu kommen. Statt die Sache nach den regulären 80 Minuten ordentlich zu beenden, entschieden sich beide Mannschaften für die deutlich aufwendigere Variante. Erst 2:2-Unentschieden nach der regulären Spielzeit und anschließend noch eine Verlängerung. Denn im Pokal gilt offenbar: Warum einfach, wenn es auch dramatisch geht?
Die Mannen von der Parthe lagen lange gegen aufopferungsvoll kämpfende Wiederitzscher mit 0:2 zurück. Auch ein wie immer zärtlicher, verbaler „Einlauf“ von Trainer Marcus Wittmann zur Halbzeit brachte lange nicht den gewünschten Erfolg. Nachdem die Jungs mehrfach an ihrer Aluminiumallergie arbeiteten, fiel in der 70 Minute das 1:2 per platziertem Kopfball und alle waren der Meinung: Jetzt packen wir es doch noch. Die Familien wurden bereits informiert und das Essen wieder vom Herd genommen.
Nachdem kurz danach nun Tony für seinen kommunikativen Ansatz zu einer Abstoßentscheidung mit Gelb-Rot auf den Wiederitzscher Wall verabschiedet wurde, sank die Hoffnung nur kurz. Auf einmal lief der Ball noch besser, weil die ganze Truppe sich nochmal straffte. Und so fiel endlich der Ausgleich kurz vor Ablauf der regulären Spielzeit durch einen Abstauber.
Spannung garantiert, Nerven strapaziert und vermutlich auch der eine oder andere Trainer um ein paar Lebensjahre gealtert. Doch damit war noch lange nicht genug. Die Verlängerung musste die Entscheidung bringen. Die Eltern planten schon einen Ring aus Simsons, PKW und den mitgebrachten Handys, um für mehr Ausleuchtung im Wiederitzscher Rund zu sorgen. Nun zeigte sich, wer die letzten Körner noch im Tank hatte und in der Dämmerung den Überblick behielt.
Während die Wiederitzscher Beine langsam schwerer wurden, blieb PaBo vor dem Tor konsequenter und konnte so in der Verlängerung drei weitere Treffer nachlegen. Am Ende hieß es somit 2:5 für die Wittmänner.
Ein legendärer Pokalfight, bei dem sich beide Teams nichts schenkten und die Zuschauer definitiv auf ihre Kosten kamen. 100 Minuten B-Jugend-Fußball, fünf Tore in der Verlängerung und die Erkenntnis: Im Pokal ist eben erst Feierabend, wenn wirklich Feierabend ist.
Für den SV Panitzsch/Borsdorf geht die Pokalreise damit weiter. Der SV Eintracht Wiederitzsch kann trotz der Niederlage auf einen leidenschaftlichen Kampf und eine sensationelle Mannschaftsleistung zurückblicken. Gratulation für diese junge, motivierte Truppe. Oder, um es kurz zu sagen: 80 Minuten hätten gereicht – aber das kann ja jeder. JW
💙💛
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